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WERMUT vs FIENDISH FIB - "THE NERVOUS SPLIT" (tut007)
10-inch LP, black vinyl - 1 hand-numbered fold-out insert - lim. edition of 317 copies

(SOLD OUT)

Old friends meet again on this semi-paleontological split release between yesterday’s France and today’s Germany. Toulouse-based duet FIENDISH FIB appears here with unreleased material from the late 80s / early 90s, restored from the original demo-tape: seven post-punk industrial anthems, between Coil, Pseudo Code, The Residents and early Die Form. For their Teutonic response and homage to these tunes from the past, WERMUT choose to reveal the electro-punk side of their versatile personality, with dance-floor orientated songs in the vein of the “Hoffnung” LP. For all the nervous boys and girls of then and now!

Side A
A1 Fiendish Fib - Nervous Guy (2:46) mp3
A2 Fiendish Fib - Jardin (1:32)
A3 Fiendish Fib - The Traveller (2:29) mp3
A4 Fiendish Fib - La Jungle (1:38)
A5 Fiendish Fib - Grandma (2:28) mp3
A6 Fiendish Fib - Frayeurs (1:00)
A7 Fiendish Fib - Toy Piano (0:35)

Side B
B1 Wermut - Complainte du galgo noir (2:51) mp3
B2 Wermut - Stains (2:20)
B3 Wermut - Petals (3:35) mp3
B4 Wermut - Deutschland Jahr 0 (2:41) mp3
B5 Wermut - Nervous Girl (2:11)

(audio extracts on this page are in low quality)

PRESS CUTTINGS

„Die Platte ist konzeptuell auf die so langsam wiederkehrende Minimal-Disko ausgerichtet, aber wir müssen den Begriff hier wohl ziemlich flexibel angehen. Beide Bands covern oder adaptieren vielmehr dazu den TUXEDOMOON-Song „Nervous Guy“. Bei WERMUT schlägt er in einen nervös schunkelnden Walzer um, geschmeidig im Abgang und eine willkommene Gelegenheit, den Abend elegant zu beschließen. FIENDISH FIB hingegen machen daraus einen abgedrehten Tanzflächenhit, der sakral wie eine heilige Messe eingeläutet wird, bis wie auf Knopfdruck verzerrte Minimalbeats losbrechen und ein ebenso verzerrter Gesang, der sich ein bisschen rotzig am Rhythmus entlang hangelt. Soviel No-Wave auf einmal und dann gleich zum Auftakt... meine Damen und Herren, diese Platte wird sich noch tiefgreifend in Ihr Gedächtnis hineinbohren. Drei der Stücke aus dem FIENDISH FIB-Repertoire lassen sich eher als klaustrophobische Instrumentals beschreiben, Soundcollagen, von denen zwei bereits die Bilder eines B- oder C-Movie Horrorstreifens untermalen durften. Dann hätten wir da noch ein wenig Outro-Geklimper und, oh ja, noch zwei übrige Titel, die ganz explizit Erwähnung finden sollten: zum einen „The Traveller“ – ein mythischer Tiefentrip durch Alptraumlandschaften, die niemand freiwillig kennen lernen möchte, ein hypnotischer Fast-Forward-Tanz, bei dem sich zwischendurch irgendjemand mit breitem Hintern auf die Orgel setzt, ein bizarrer Hybrid aus archaischen COIL und den leichter verdaulichen GALAKTHORRÖ-Meisterwerken, das Ganze ist dann noch so eingewickelt, dass man außen ruhigen Gewissens Post-Punk draufschreiben könnte. Das gleiche Gewand steht auch der moribunden „Grandma“, aber bei ihr verhält es sich doch noch ein bisschen anders: sie wippt etwas mehr zu dem schleppend schweren Rhythmus von CLAIR OBSCUR in deren verrücktesten Momenten, GUERRE FROIDE in deren gitarrenlastigeren Momenten und ja sogar THROBBING GRISTLE in deren  – ja, keine Ahnung, in deren Momenten halt. All diese eben erwähnten Namen jedoch ausblendend, lässt sich unterm Strich feststellen, dass man von FIENDISH FIB gern noch ein paar Dutzend mehr solcher Tapeüberreste gehört hätte, auch weil der oft kritisierte „früher war alles besser“ Stempel längst noch nicht abgegriffen ist und oft zurecht Anwendung finden muss.

Die zweite Seite bringt uns dann zumindest den Eckdaten nach zurück ins Hier und Jetzt, aber dieses muss ja nicht zwangsläufig ein irdisches Jammertal sein. Nein, nein... WERMUT, die uns Hoffnung brachten und Botschaften von den sieben Meeren, WERMUT, die Wächter und Zeugen einer noch zu entschlüsselnden Offenbarung, haben auch bei ihrer Rückkehr zu minimalelektronischen Abenteuern wiederum die ganze Strahlkraft eines träumenden Gottes auf ihrer Seite. Der stetige stilistische Wandel ist bei WERMUT im Grunde nur Erscheinung, nur äußere Hülle, im Kern ihres Wesens bleiben sie sich beständig treu. Es muss daher irgendwo in der Tonalität ihrer Kompositionen ein höheres Gesamtwerksprinzip vorliegen, es lässt sich nicht genau lokalisieren, aber es ist zweifelsohne da. Man nehme „Complainte Du Galgo Noir“, eigentlich eine treibende Elektrohymne, die von epischen Gitarrenriffs vorangepeitscht wird, aber in ihr weht auch so ein heilignüchterner Hauch von erhabener Größe. Man stellt sich vor, LASZLO und SOFIA stünden auf einem Gipfel oder Felsvorsprung und schickten ihre prophetischen Verse gegen den dramatisch kalten Wind. Man nehme auch die unruhig wabernden Sequenzen von „Stains“, diese pfatschend-noisigen Drohungen, die von unten herauf dringen, aber das ganze Stück gerät von einem tiefen Schmerz getroffen ins Stocken, und plötzlich ist es der Rhythmus der Melancolia, der Krankheit zum Tode, der den Ton angibt. Und so verhält es sich häufig mit den einzelnen Werken dieses post-néoistischen Duos. Die Harmoniumklänge und LASZLOs andächtig mahnender Gesang bei „Petals“ rufen uns das stimmungsvolle „Anna“-Album ins Gedächtnis und sorgen bei jedem Hören immer wieder aufs Neue für unheilbare Gänsehaut und kalte Schauer. Da weht einen der Odem der Ewigkeit an, und man fühlt sich selbst kleiner und blasser werden und der Welke ausgesetzt. Die vermeintliche ROSSELLINI-Hommage „Deutschland Jahr 0“ schafft dann den Sprung zurück auf die Tanzfläche. Man sucht verwirrt und verwundert noch einmal in den Unterlagen und erstarrt: doch nicht 1981 aufgenommen (oder gar 1945!?). Lasst es uns einfach Nachkriegs-NDW heißen, postnationale Paranoia, ein wenig hallt auch das Erbe des großen Mythos DAF nach, die kurzgehackten Sätze, der kühle, monomanische Rhythmus. Aber WERMUT lassen ihren Hit noch etwas tiefer im Untergrunddreck wühlen, er ist schmutziger, punkiger, etwas für illegale U-Bahn Diskotheken mit Berliner Pathos. Und sogar hier lässt sich die goldene Spur der „übergeschichtlichen“ Sphäre ausmachen, irgendwo im Hintergrund schimmert sie und leuchtet zyklisch auf, wie es bei WERMUT immer der Fall gewesen ist

T.u.T. reiten wieder mal die Minimalelektrowelle. Sieben verrückte, kernige Bruchstücke aus Südfrankreich hier und fünf zeitlos schöne Lieder des in Deutschland derzeit spannendsten und hörenswertesten Projektes dort. Da wird sicher nicht nur den nervösen Jungs und Mädels die Langeweile fernbleiben.“ (Roy Liebscher for NONPOP)